In meiner Urlaubswoche wollte ich mich intensiv um einen Kitaplatz in Leipzig bemühen. Nur weil die Sonne scheint, wälze ich mich gerade nicht vor Traurigkeit im Bett und stampfe nicht vor Wut mit dem Fuß. Das würde eher mein kleiner Sohn machen, wenn er morgens statt mit Autos zu spielen, mit mir zur Tagesmutter los muss.

Es ist wirklich nicht leicht einen Kitaplatz in Leipzig zu finden, vor allem im Stadtgebiet Südwest, wo wir wohnen.

Laut der Leipziger Kita-Initative sagte Sozialbürgermeister Thomas Fabian, es seien derzeit 1170 Leipziger Kinder ohne Betreuungsplatz (Stand März 2017). * Nach Information vom Jugendamt sagt man mir, dass es derzeit nicht gut aussehe.

Mein Sohn bei der Tagespflege

Wir haben uns vor einigen Monaten, als wir von Halle nach Leipzig gezogen sind, für das Konzept Tagespflege entschieden und sind mit der Entscheidung sehr zufrieden. Hätte es zu diesem Zeitpunkt easy peasy einen Kitaplatz gegeben, hätten wir sicher eher auf diesen zurückgegriffen, um einen weiteren Wechsel von Umfeld und Kindern zu vermeiden.

Erst vier, dann fünf Jungs sind bei der Tagesmutter Mone in Pflege gewesen. Sie geht mit ihnen zur Musikzeit, in den Hof, auf den Spielplatz und manchmal gibt es schöne Basteleien. Alles in allem ein toller Tag für meinen Sohnemann, allerdings wird er eben auch „bald“ drei Jahre alt und es muss in die Kita gehen. Vielleicht lässt sich der Vertrag mit der Tagesmutter noch um ein halbes Jahr verlängern, aber das muss beantragt werden und die Freigabe ist nicht sicher.

Wie ich mir die ideale Suche vorstelle (Best case)

Die Stadt Leipzig bietet ein Elternportal, auf dem sich junge Eltern nach der Geburt ihres Kindes anmelden dürfen.

Dort finden sie alle Einrichtungen, die in ihrem Viertel liegen. Sie können vorbei schlendern und schon mal von Außen schauen oder anrufen: Die drei Wunschkitas in der Nähe bieten auf Anfrage Besichtigungstermine, um die Eltern und zukünftigen Schützlinge kennenzulernen und den Eltern ihre Fragen zu beantworten. Nach der Besichtigung melden die Eltern ihr Kind bei der Kita an, die am besten zu ihnen und zu ihrem Kind passt.

Wie ich die Suche kennengelernt habe (Worst case)

Die Stadt Leipzig bietet ein Elternportal, auf dem sich junge Eltern weit vor der Geburt ihres Kindes anmelden, um alle Kitas parat zu haben und ihr Kind sofort nach der Geburt anzumelden.

Dort finden sie alle Einrichtungen, die in ihrem Viertel liegen, aktuell erweitert, saniert oder sogar neugebaut werden. Sie können vorbei schlendern, sofern die Kita bereits gebaut wurde oder anrufen, sofern die Stadt die Telefonnummer bereits kennt und Auskunft geben kann.

Bei den fünf naheliegenden Kitasmelden die Eltern ihr Kind zwar an, mit dem wissen, dass hier wohl keine Rückmeldung kommen wird. Im Elternportal steht „übermittelt“.

Zufällig bekommen die Eltern mit, dass in einer ihrer naheliegendes Kitas ein Besichtigungstermin stattfindet. Das hat ihnen eine Bekannte mitgeteilt, die ein morgens aus im Radio gehört hat. Auf Anfrage gibt es Besichtigungstermine, aber auch die Info, dass es sowieso keine Plätze gibt.

Monatelang telefonieren die Eltern sich den Mund fusselig, haben einen Zeit- und Übersichtsplan, um jede naheliegende Kita zu kontaktieren und den Überblick über all die Absagen, Neins und Ablehungen zu behalten. Dabei streiten sie oft, weil es einfach anstrengend ist und auch der Sohn fängt öfter an zu weinen als sonst.

Irgendwann kommt eine Zusage von irgendeiner Kita, die irgendwo neu gebaut wird. Besichtigigen geht noch nicht, da es aktuell noch ein Baustellenloch ist und es nichts zu besichtigen gibt. Die Eltern müssen darauf vertrauen, dass die Einrichtung hübsch wird, der Sohn sich wohl fühlt, dass die anderen Kinder nett sind und das Betreuungspersonal rechtzeitig gefunden wird.

* Quelle: https://leipziger-kita-initiative.com/kita-platz-wo-wie/kita-ausbau-leipzig/ [07.04.2018]

 

 

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